Zeitraum: 15.11.2021 - 28.11.2021
Revier: Atlantik, Portugal, Oiras bei Lissabon - Sines
Boot: eMMa - Moody 44
Crew: Markus
Melanie


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Wochenbericht 18 - Von gerissenen Fallen und dem 1. Advent

Montag, 15.11.2021 - Alles, was gestern getrennt wurde, muss nun heute weiter bearbeitet werden. Melanie steckt ab, misst, trennt, markiert und schneidet bis alle Teile des Matratzenbezugs endlich die gleiche Form wie die bereits zugeschnittene Matratze haben. Dann geht es ans Zusammennähen. Die Nähmaschine rattert und surrt und irgendwann ist der Bezug ebenso fertig, wie der Antimilbenbezug auch. Dann wird beides wieder aufgezogen und unsere neue Matratze sieht richtig professionell gefertigt aus! Wie maßgeschneidert, was sie ja auch ist!

Dienstag, 16.11.2021 - Heute fahren wir wieder nach Lissabon. Gemeinsam mit den Crews der Nala und der Ariba besuchen wir das Oceanarium. Christoph von der Nala hat für uns alle Online gestern die Tickets gebucht, denn in dieser Woche und in der nächsten Woche ist dienstags dort immer Happy Day. Da kommen Erwachsene dann für nur 10 € rein, der Eintritt kostet sonst 19 €. Das Wetter ist schön und wir genießen bereits die Fahrt dort hin. Dank der Online-Tickets brauchen wir auch nicht an der Kasse anstellen, sondern können direkt hineingehen. Im oberen Stockwerk befindet sich ein riesiges Süßwasseraquarium, dass tropische Fische aus dem Amazonasgebiet beherbergt. Das Aquarium bedeckt drei der vier Wände des riesigen Raumes. Es ist toll gestaltet, dazu wird ruhige, angenehme Musik eingespielt und überall gibt es Möglichkeiten zu verweilen, es sich bequem zu machen und die Fische zu beobachten. Irgendwann können wir uns doch loseisen und folgen der Einbahnstraße zum Haupthaus. Das riesige Gebäude ist so gebaut, dass sich in seiner Mitte ein gigantisches Atlantikbecken befindet. Dort leben Haie, Rochen, Fischschwärme, Mondfische und viele andere tolle Fischarten. Das Becken erstreckt sich über 2 Etagen Höhe. Die Besucher kommen auf der oberen Etage an. Anschließend geht der Rundweg im Uhrzeigersinn weiter. Dabei gibt es auf der linken Seite immer wieder Panoramascheiben, teils riesengroß, teils wie große Balkonfenster mit Sitznieschen, die den Blick ins Becken frei geben. Auf der rechten Seite befinden sich ganz viele kleinere Becken, sowie besondere Themen wie Regenwald, Pinguine, Otter und indischer Ozean. Es gibt unendlich viel zu entdecken. Nach der oberen Ebene folgt dann die untere Ebene, die immer wieder veränderte Blicke ins große Mittelbecken zulässt. Am Ende folgen wir wieder dem Übergang in das Gebäude, wo sich auch der Eingangsbereich befindet. Dort gibt es zum Abschluss noch eine Hommage an das Meer und die portugiesische Verbundenheit mit dem Meer. Das Ganze wurde in einer beeindruckenden Multimediashow zusammengestellt. Wir finden sie beeindruckend und großartig gelungen! Anschließend gehen wir alle gemeinsam in dem Restaurant des Aquariums essen. Einfaches Kantinenessen, aber es schmeckt wirklich gut und ist auch relativ günstig.

Dann trennen sich für den Rest des Tages unsere Wege mit den anderen Crews. Wir wollen uns noch etwas die Altstadt ansehen. Dazu kraxeln wir zig steile Treppen und Pfade empor, erkunden kleine Straßen und Gassen und genießen den Blick über den Tejo, sowie die untergehende Sonne im Westen.

Mittwoch, 17.11.2021 bis Montag, 22.11.2021 - Die Tage verschwimmen. Wir schlafen morgens aus, frühstücken dann gemütlich und planen anschließend unseren Tag. Mal gibt Melanie Nachmittags Onlinekurse, mal treffen wir uns zum Quatschen und Klönen  mit den Livas, den Nalas und den Aribas, mal wird gehäkelt oder gespleißt. Außerdem erfolgen Geburtstagsanrufe in die alte Heimat. Einen Abend machen wir einen Spieleabend und einen Abend hat Melanie fürchterliche Kopfschmerzen und geht früh ins Bett. Wir genießen die Zeit mit unseren lieben Segelfreunden sehr, besonders weil uns ja klar ist, dass sich in gar nicht allzu ferner Zukunft unsere Wege leider wieder trennen werden. Daran versuchen wir aber jetzt noch nicht zu denken! Und natürlich holen wir den bestellten Sonnen-Schutz-Stoff ab!

Dienstag, 23.11.2021 - Das schwerste an diesem Tag ist die Verabschiedung von der Ariba-Crew. Wir werden euch so sehr vermissen!

Mittwoch, 24.11.2021 - Der Wetterbericht passt und so legen wir um 12 Uhr in Oiras ab. Der Abschied von der Nala-Crew läuft nicht ganz ohne Tränen ab, besonders als die gesamt Nala-Familie auf der Hafenmole steht und uns nachwinkt, kann Melanie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. In Brest sind wir uns vor so vielen Wochen zum ersten Mal begegnet, haben viele schöne Stunden und Unternehmungen zusammen verbracht und es ist eine tolle Freundschaft daraus entstanden! Ein wenig Hoffnung haben wir ja schon noch, dass wir uns vor ihrer Atlantiküberquerung vielleicht noch einmal an der Algarve treffen, aber sicher ist das nun mal nicht. Kurz nach der Hafenausfahrt setzen wir die Genua. Und eine knappe Stunde nach dem Auslaufen zeigt unser Windmesser mal wieder keine Windgeschwindigkeit an. Das Problem ist nicht neu, aber bisher ließ sich die Anzeige durch Aus- und wieder einschalten wiederbeleben. Dieses Mal ignoriert sie jegliche Bemühungen hartnäckig. Ersatz haben wir ja bereits an Bord und so wird Markus erfinderisch und fixiert den neue Windex mittels Kabelstrapse am Geräteträger. Da wir nur achterliche Winde erwarten, dürfte das gut funktionieren. Und wieder begleiten uns Delfine! Sie schwimmen neben eMMa, überholen sie, kreuzen vor dem Bug, lassen sich zurückfallen und beginnen das Spiel von Neuen. Der Wind schiebt uns gut voran, die Welle ist mehr als nur erträglich. Oder sind wir mit der Weile mehr gewohnt? Markus steht gerade vorne am Mast um etwas zu kontrollieren, da reisst das Genuafall. In Sekunden rauscht die Genua nach unten und gleichzeitig nach vorne aus. Denn der achterliche Wind weht natürlich das Segel nach vorne weg. So liegt unsere riesige Genua nun im Wasser. Der Schreck ist natürlich erst einmal groß! Aber wir bewahren beide die Ruhe und überlegen die weitere Vorgehensweise. Das Segel muss wieder an Bord, das ist klar! Manövrierfähig sollten wir aber auch bleiben. Wir starten den Motor und Markus schlägt vor rückwärts einzukuppeln. Denn allein durch den Wind und die Welle wird eMMa noch immer weiter vorwärts geschoben und unser Segel klemmt unter dem Bug im Wasser fest. Melanie stellt das Gas so ein, dass wir stabil zu den Wellen stehen und ganz leichte Fahrt rückwärts machen. Damit kommt das Segel vorne frei. Nun fiert sie die, noch immer belegte, Genuaschot langsam und Markus übernimmt die Schot am Bugkorb. Wir sind erleichtert, als die Schoten beide an Deck liegen. Nun müssen wir das Segel wieder an Bord bekommen. Wir ackern mehr als eine halbe Stunde. Dabei sind wir stets eingepickt in der Laufleine. Was auch notwendig ist, da wir immer wieder durch die querlaufenden Wellen hin und her geworfen werden. Durch gute Teamarbeit bekommen wir das Segel mit jeder Welle ein Stückchen höher an Deck gezogen. Als die kompletten 120 qm vorne auf dem Vorschiff liegen, natürlich nicht ordentlich gefaltet, fängt Markus an alles mit Leinen zu sichern, damit nichts wieder ausgeweht wird. Melanie steht am Ruder und kuppelt nun den Vorwärtsgang ein. So geht es nun erst einmal ein Stück unter Motor vorwärts. Doch aufgrund der Wellen entscheiden wir uns das Großsegel zu setzen. Kaum ist das Groß, zunächst gerefft, später ganz, gesetzt, läuft eMMa sofort stabiler und es rollt deutlich weniger. Und als wenn sie geahnt hätten, dass wir eine Aufmunterung gebrauchen können, tauchen wieder Delphine auf. Diesmal handelt es sich um eine Gruppe großer Tümmler. Einige Tiere sind bestimmt um die 3 Meter lang. Aber sie begleiten eMMa nicht nur, sondern sie springen auch ganz viel. Ein fantastisches Schauspiel! Uns kommen die Tränen!

Als die Delphine verschwunden sind überlegen wir, welchen Hafen wir anlaufen. Unser ursprüngliches Ziel wäre die Bucht von Alvor an der Algarve gewesen, aber das ist unter der aktuellen Situation einfach zu weit. Der nächstgelegene Hafen ist für eMMa zu klein. Somit kommen noch Setubal und Sines in Frage. Beide erreichen wir aber erst im Dunkeln. Wir schauen uns die Entfernungen an. Setubal ist etwa 16 sm entfernt, Sines etwa 30 sm. Aber was sind schon 30 sm! Also fällt unsere Entscheidung auf Sines. Später wird uns beiden klar, wie sehr sich unsere Entfernungswahrnehmung schon verschoben hat. 30 sm beträgt in etwa die Entfernung zwischen Kühlungsborn und Orth auf Fehmarn oder zwischen Cuxhaven und Helgoland! Früher waren das Tagesetappen. Wir kommen in Sines mitten in der Nacht an. Der Hafen ist gut betonnt und beleuchtet und so ist das längsseits Anlegen kein Problem. Um jedoch überhaupt an die Vorschiffsklampen zu kommen und eMMa richtig zu vertäuen, müssen wir das Segel noch mal neu verpacken. Zusammenlegen ist noch immer keine Option, da der Wind mit rund 20 kn einfach zu stark weht. Um 2 Uhr in der Nacht fallen wir nach einer kleinen Mahlzeit dann endlich todmüde in die Kojen.

Donnerstag, 25.11.2021 - Melanie ist bereits am Morgen früh wach und macht sich um halb neun auf den Weg zum Hafenbüro für unsere Anmeldung beim Hafenmeister. Auf dem Platz, wo wir gerade liegen, können wir aber nicht bleiben. Wir sollen eMMa in eine Box umlegen. Gut, dann machen wir das jetzt noch vor dem Frühstück, denn für später ist Regen und ordentlich Wind angesagt. Markus bereitet alles für das neue Anlegen vor, während Melanie den Motor startet. Sie manövriert eMMa zunächst rückwärts und legt anschließend vorwärts in der zugewiesenen Box an. Markus belegt die Leinen. Die Crew der Awa nimmt ebenfalls die Leinen an. Sie sind Niederländer und wir haben das Boot bereits in Baiona vor Anker liegen gesehen. Damals hatten wir mit ihnen aber keinen weiteren Kontakt. Nun stehen die zwei überaus sympathischen Menschen vor eMMa auf dem Steg und wir kommen ins Gespräch - auf Englisch! Noch ist es etwas holprig. Wir bedanken uns für die Hilfe und verschwinden erst einmal für ein Frühstück in Cockpit. Dabei überlegen wir, wie wir das Segel am besten verstauen können. Noch immer ist es gut windig, aber so können und wollen wir die Genua auf keinen Fall länger geknickt und geknuddelt liegen lassen. Markus hat die Idee das Segel mit dem Spifall ganz normal wieder hochzuziehen und auf der Rollanlage einzurollen. Die Idee ist super, denn so wird das Material am besten geschont! Wir bereiten alles vor, aber der Genuaschlitten bewegt sich kein Stück. Erst jetzt sehen wir, dass der Schlitten der Rollanlage gebrochen ist. Er hat sich so auf der Schiene verkeilt, dass er bombenfest sitzt. So geht es also leider nicht. Markus telefoniert mit unserer Yachtversicherung, informiert sie über den vorläufigen Schaden und klärt, ob wir trotzdem weiterfahren dürfen. Das dürfen wir, müssen aber natürlich alles dafür tun, dass der Schaden dadurch nicht größer wird. Das bekommen wir hin! Nun bleibt noch das Problem, wie wir das Segel ordentlich zusammengelegt bekommen. Auch dafür hat Markus eine gute Idee! Unser Dinghy hat Strandräder und nun wird es einfach zur Schubkarre umfunktioniert. Trotzdem ist es natürlich eine kräftige Ackerei, aber so bekommen wir es den ganzen Steg entlang bis zur Rampe. Für die Gangway zwischen Tor und Schwimmsteg ist unser Dinghy allerdings zu breit. Melanie läuft zurück zu eMMa und bittet die Awa-Crew um Hilfe. Sie sind so lieb und helfen uns erst das Segel hochzuschleppen, dann oben auszubreiten, den Riss zu suchen und anschließend das Segel zusammenzufalten. So gefaltet nimmt es zwar deutlich weniger Platz weg, aber das Gewicht bleibt natürlich das selbe. So geht es wieder mit dem Dinghy als Transportmittel zurück zu eMMa. Der Riss wird noch fotografiert und dann wird das Segel mit Gurten verzurrt. eMMa hat in der Zwischenzeit einen neuen Nebenlieger bekommen. Zwei Ungarn mit ihrer Sirius 32 liegen nun am gleichen Fingersteg wie wir. Sie sind so lieb und packen kurz mit an. Sie heben das Segelpaket über die Reling. Und wir verstauen es anschließend in der Vorschiffskoje. Dort wird es jetzt bleiben, bis wir unsere Winterwerft erreicht haben.

Freitag, 26.11.2021 - Wir erkunden den Ort. Bereits bei der Einfahrt in den Hafen in der Mittwoch-Nacht ist uns die beleuchtet Burgmauer aufgefallen. Jetzt erklimmen wir diese und haben einen tollen Ausblick auf die gesamte Bucht und den Atlantik. Anschließend suchen wir einen Supermarkt, finden einen kleinen Spar-Markt und kaufen dort ein. Am Abend haben wir die Awa-Crew bei uns an Bord zu Besuch. Es wird ein richtig netter Abend.

Samstag, 27.11.2021 - Wir gehen eine große Runde spazieren. Laufen dann noch bis zum Lidl und kaufen dort alles für die Weihnachtsbäckerei ein. Auf dem Rückweg erhalten wir einen Anruf von Pia. Sie hat nun auch die letzten Prüfungen bestanden, Wir sind sehr stolz auf unsere Jüngste! Zum Sonnenuntergang sind wir wieder zurück an Bord.

Sonntag, 28.11.2021 - Heute ist der 1. Advent! Seit mehr als vier Monaten sind wir unterwegs. Natürlich haben wir auch in den letzten Jahren an Bord die Adventszeit verbracht und auch Plätzchen gebacken, aber nicht am 1. Advent. Heute ist also Weihnachtsbäckerei angesagt. Es gibt Butter-Spritzgebäck, Kokosmarkronen und spanischen Mandelkuchen. Dazu läuft WDR2 als Internetradio. Sie spielen Weihnachtsmusik. Melanie telefoniert mit Doro und es kommt die Frage auf, ob wir denn hier in der „Wärme“ überhaupt in Weihnachtsstimmung kommen? 1.) ist es hier nun auch nicht mehr sooo warm. Tagsüber kommen wir auf 15 bis 17° C und die Nachttemperaturen liegen so um die 10° C. Das ist natürlich bedeutend wärmer als in Deutschland, wo gerade fast alle Orte nur so um den Gefrierpunkt herum dümpeln! Aber kühler als die vorherigen Wochen und Monate ist es alle mal. 2.) ist die kleine Stadt sehr schön weihnachtlich beleuchtet und 3.) Weihnachtsmusik aus dem Radio, Zeit haben zum Plätzchenbacken und alles etwas langsamer angehen lassen können - doch, da wird uns schon auch weihnachtlich! Nach dem Backen packt Melanie zwei Plätzchentüten und bringt sie zu unseren Nebenlieger, eine für die Sirius-Crew und eine für die Awas.

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